Eigentlich war es kaum vorstellbar:
22 000 Tische auf einer 60 km langen Autobahn, die nicht nur das
Ruhrgebiet miteinander verbindet, sondern auch täglich für
kilometerlange Staus sorgt.
Und die meisten Tische und Bänke wurden nicht nur
"besetzt".
Die Menschen an den Tischen sorgten auf vielfältige Art und Weise für
Kultur: Von Musikgruppen, Taubenvereinen bis zu einigen Kindergärten.
Die Vielschichtigkeit und die Interessen der Menschen im Ruhrgebiet
wurden glaubhaft dargestellt!
Unser Kindergarten wurde von dem Mitsponsor des Papilio-Programms, der
Barmer-Ersatztkasse gebeten, unsere praktische Arbeit im Alltag mit
Papilio transparent zu machen.
Auch die Papilio-Zentrale in Augsburg erwartet gespannt die Berichte
und den Film, der darüber gedreht wurde.
Unser Stand war sehr gut besucht. Die Kinder konnten sich nach
Papilio-Motiven (Gefühlskobolde, Schmetterlinge)schminken lassen,
diese Motive ausmalen oder Button herstellen. Am beliebtesten aber
waren die zwei Kobolde, die leibhaftig vor Ort waren. Sowohl der
Heulibold, als auch der Freudibold sprachen mit den Kindern und Eltern
oder interessierten Passanten, verteilten Malblätter und erzählten
warum sie jetzt gerade so traurig bzw. froh sind. Und sehr viele
Besucher ließen sich mit ihnen fotografieren.
Während die Kinder geschminkt wurden, informierten sich viele
Erwachsene über unsere Arbeit mit dem pädagogischen Programm von
Papilio. Wir hatten dazu eine Infomappe u.a. mit Fotos von
verschiedenen Aktionen bzw. aus dem Kindergartenalltag zusammen
gestellt. Sie waren überrascht darüber, dass dies ein
wissentschaftlich begleitetes Programm ist, welches die Kinder dazu
befähigt problematisches Verhalten abzubauen und soziale und
emotionale Kompetenzen aufzubauen. Deshalb ist Papilio auch ein
Programm zur Sucht-und Gewaltprävention.
Frau Stahl vom Entwicklungszentrum für Prävention und
Sportrehabilitation an der Uni-Bochum war so begeistert, dass sie mit ihrer
Einrichtung, ihrem Schwager Proffessor Grönemeyer (der kleine Medicus)
und unserem Kindergarten ein gemeinsames Projekt aufstellen möchte.
Wir werden uns deshalb auf jeden Fall nach den Sommerferien treffen.
Was uns außerdem an diesem Tag besonders auffiel, war die Fröhlichkeit,
die Gelassenheit und die Geduld, die alle Beteiligten aufbrachten:
Fahrradfahrer, Inliner, Fußgänger, Programmanbieter, Kinder oder
Erwachsene- alle schienen diese besondere Stimmung bewußt wahr zu
nehmen. Niemand nörgelte, weil er warten musste und jeder bedankte
sich für eine erbrachte Leistung oder einen Gefallen. Dies war ungewöhnlich-
oder vielleicht auch nicht.
Vielleicht schickte uns der Himmel dieses herrliche Wetter dazu um
drei Millionen Menschen dazu aufzufordern endlich einmal zu zeigen,
was sie können und was geht- wenn man will:
Miteinander zu lachen, warten zu können, zu singen, zu zuhören und
so ein fröhliches Fest zu feiern.
Um dann zu erleben, was niemand für möglich gehalten hat, schon gar
nicht gemeinsam mit drei Millionen Menschen:
Stillleben auf der A 40!
Marianne
Liebich