Gedanken zum Adventszeit

Advent - Wer wartet auf wen?

Der alte Rabbi sitzt in der milden Mittagssonne des Wintertages. Die Kinder spielen im Innenhof des Bethauses. Fangeles oder Verstecken? Nur mit einem leichten Blinzeln beobachtet er das Geschehen um ihn herum. Da, ein lautes Weinen. Der Enkel läuft zu dem alten Mann. „Was ist passiert?“ – Schluchzend steht der Kleine vor ihm und ist ganz verzweifelt: „Opa, ich versteck mich immer und keiner sucht mich!“

 

Der alte Rabbi nimmt ihn in den Arm. „Schau, genau so ergeht es Gott, dem Allmächtigen: er versteckt sich und keiner sucht ihn!“

 

Advent – so sagt man – ist die Zeit des Wartens.
Aber, auf was warten wir?
Die Kinder warten auf das Christkind, und wir?
Auf die Feiertage?
auf die paar Tage Erholung?
auf ein friedliches Familienfest?
auf Entspannung im Winterurlaub?
auf schöne Gottesdienste ...?
Oder: Warten wir auf die Ankunft Gottes?
Er ist doch schon gekommen,
auf was sollen wir da warten?

 

Die Geschichte vom Rabbi dreht die Frage um.
Nicht wir warten.
Gott wartet auf uns, auf mich.
Er ist der große Wartende.

 

Er spricht zu mir:
Geduldig warte ich schon so lange auf dich.
Immer wieder habe ich mich vertrösten lassen.
Aber jetzt, wäre die Zeit günstig.
Jetzt, wo die Tage kürzer werden,
und die Kälte uns eher nach innen treibt.
Willst du nicht wenigstens jetzt mich suchen,
zu mir kommen,
zu dir kommen?

 

Horch wieder in dich hinein,
dorthin, wo du auch mich finden kannst.
Du wirst sehen,
dann werden auch die kommenden Tage,
Tage der staunenden Kinderaugen,
eine neue Begegnung
zwischen dir und mir sein.

 

Also: ich warte auf dich!